Der bilinguale Zug am Gymnasium bei St. Michael steht in diesem Schuljahr in besonderer Weise im Fokus: Erstmals legt ein Jahrgang das Internationale Abitur Baden-Württemberg ab. Damit erreicht ein Konzept seinen bisherigen Höhepunkt, das die Schülerinnen und Schüler seit Klasse 5 begleitet – sprachlich, fachlich und in ihrer persönlichen Entwicklung.
Der bilinguale Zug versteht sich dabei nicht allein als Sprachförderprogramm. Vielmehr geht es darum, Fachinhalte in einer Fremdsprache zu erschließen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und früh internationale Zusammenhänge zu erkennen. Dass dieser Weg trägt, zeigt sich in diesem Schuljahr gleich auf mehreren Ebenen – von den jüngsten Bili-Schülerinnen und -Schülern bis hin zu den Abiturientinnen und Abiturienten.
Erste Schritte in Klasse 5: Europa entdecken
Während die ältesten Bili-Schülerinnen und -Schüler sich auf ihre Abiturprüfungen vorbereiten, sammeln die jüngsten im bilingualen Zug gerade ihre ersten Erfahrungen. In Klasse 5 beschäftigen sich die Bilis aktuell intensiv mit dem Europäischen Wettbewerb. Dabei setzen sie sich altersgerecht mit europäischen Themen auseinander, arbeiten kreativ und lernen, ihre Gedanken auch in einer Fremdsprache auszudrücken.
Dass der bilinguale Unterricht dabei weit mehr ist als klassischer Englischunterricht, erleben die Fünftklässlerinnen und Fünftklässler sehr bewusst. „Ich dachte, dass Bili normaler Englischunterricht ist, nur ein bisschen schwerer“, erzählt Zoey. „Aber wir machen eher kreative Sachen und Dinge zur Aussprache.“ Besonders die Abwechslung gefällt vielen: „Ich finde es toll, dass wir nicht immer nur Aufgaben machen, sondern auch viel sprechen und manchmal basteln“, sagt Klara. Hannah ergänzt: „Wir lernen Englisch auch spielerisch.“
Auch das gemeinsame Arbeiten wird positiv wahrgenommen. „Ich finde es cool, dass wir viel Gruppenarbeit machen“, berichtet Hanna, während Hélène betont: „Es ist toll, dass wir auch mal mit Leuten zusammenarbeiten, mit denen wir sonst nicht so viel zu tun haben.“ Der Europäische Wettbewerb hinterließ ebenfalls Eindruck: „Das hat wirklich Spaß gemacht, vor allem Texte zu schreiben“, sagt Jay. Marie ergänzt: „Wir konnten kreativ arbeiten und gleichzeitig etwas über Europa lernen.“
Schon früh wird deutlich: Der bilinguale Unterricht weckt Neugier, fördert Selbstvertrauen und lädt dazu ein, über den eigenen Horizont hinauszublicken.
Lernen mit Praxisbezug: Projekte und Exkursionen
Mit zunehmendem Alter wächst auch der Anspruch – und die Vielfalt der Erfahrungen. Die Klassenstufe 10 bereitet derzeit engagiert ihre bilinguale Zukunftskonferenz vor, bei der aktuelle gesellschaftliche und politische Fragestellungen im Mittelpunkt stehen. Hier verbinden sich Sprache, Fachwissen und demokratische Bildung auf besondere Weise.
Auch außerhalb des Klassenzimmers bietet der bilinguale Zug zahlreiche Lerngelegenheiten: Exkursionen ins Schloss nach Langenburg, in die Wilhelma, ins Naturkundemuseum nach Stuttgart sowie ein Unternehmensplanspiel ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, Inhalte auf Englisch praxisnah zu vertiefen und in neuen Kontexten anzuwenden. Lernen wird so zum Erlebnis – und Sprache zum selbstverständlichen Werkzeug.
Ein Meilenstein: Das Internationale Abitur BW
Den vorläufigen Höhepunkt markiert in diesem Schuljahr der erste bilinguale Jahrgang, der das Internationale Abitur Baden-Württemberg ablegt. Die Abiturientinnen und Abiturienten blicken auf viele Jahre bilingualen Fachunterrichts zurück – mit Herausforderungen, aber auch mit nachhaltigen persönlichen Fortschritten.
Rückblickend heben viele die fachliche Tiefe hervor. „Man hat im Unterricht viele neue englische Fachbegriffe gelernt“, sagt Aya. Helena betont den Nutzen für die Zukunft: „Das ist eine sehr gute Vorbereitung auf die Universität, weil man sich intensiv mit englischen Quellen auseinandersetzt.“ Auch Ann-Berit sieht einen klaren Mehrwert: „Man lernt, auf Englisch über Themen zu sprechen, die einem vorher noch nicht vertraut waren.“
Natürlich brachte der bilinguale Weg auch Herausforderungen mit sich. Erik erinnert sich: „Die zusätzlichen Stunden am Anfang haben ein bisschen genervt.“ Gleichzeitig überwiegt für ihn der Gewinn: „Es war wertvoll, dass man mehr Zeit damit verbracht hat, Englisch zu sprechen.“ Elin ergänzt: „Wenn man später auf Englisch studieren möchte, ist es sehr hilfreich, die Fachbegriffe schon parat zu haben.“
Die Abiturientinnen und Abiturienten würden den bilingualen Zug weiterempfehlen. „Bei Bewerbungen für Studium oder Beruf wird viel Wert auf Englisch gelegt“, erklärt Aya. „Dass man Fächer wie Biologie oder Wirtschaft auf Englisch hatte, macht einen Unterschied.“ Elin bestätigt: „Man merkt im Vergleich oft, dass Schülerinnen und Schüler aus dem bilingualen Zug sprachlich sicherer sind.“
Ein Profil mit Zukunft
Von den ersten europäischen Entdeckungen in Klasse 5 bis zum internationalen Abschluss in der Oberstufe zeigt sich: Der bilinguale Zug am Gymnasium bei St. Michael ist weit mehr als ein Unterrichtsangebot. Er ist ein Weg, junge Menschen auf eine zunehmend vernetzte Welt vorzubereiten – sprachlich, fachlich und menschlich.
Dass dieser Weg nun erstmals bis zum Internationalen Abitur Baden-Württemberg geführt hat, ist ein besonderer Erfolg für die Schülerinnen und Schüler ebenso wie für die Schule – und zugleich ein Ansporn, das bilinguale Profil auch in Zukunft lebendig, anspruchsvoll und vielfältig weiterzuentwickeln.
Autorin: Lisa Heinzelbecker Die Schülerstimmen aus Klasse 5 wurden von der Englischlehrerin Felicia Beck, die Stimmen aus dem bilingualen Leistungsfach Biologie von Steffen Schwarz gesammelt.
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